#716

Es gibt dieses Foto von meinem Vater beim Spazierengehen. 

Ich habe es im Alter von zehn Jahren gemacht, im Jahr 1981. Ich erinnere mich nicht. Mein Vater hat es so in ein Album neben das Foto geschrieben.

Dieses Foto ist anders als fast alle Fotos der 17 Alben, die ich in der Wohnung meiner verstorbenen Mutter gefunden, durchgeblättert und abfotografiert habe.

Was so anders ist?

Ich denke, wir fotografieren viel zu selten das Leben wie es ist. Wir fotografieren Ideen vom Leben. Wie es sein soll. Vor allem fotografieren wir Rituale. Nicht den Tod, sondern die Beerdigung. Nicht das Zusammensein, sondern Urlaube. Nicht die Geburt, sondern die Taufe. Nicht die Liebe, sondern die Hochzeit.

Zumindest die Generation meiner Eltern hat so fotografiert.

Wir erinnern folglich mit Fotos nur ein Abbild vom Leben, bestenfalls Ausschnitte unseres Lebens. Dabei könnten wir, wenn wir uns trauen würden, das Leben ablichten. Und uns so in der Zukunft erinnern, wie es wirklich war. Mindestens wären wir näher an dieser vergangenen Wirklichkeit.

So wie ich, als ich zum Glück noch nicht wusste, wie man „richtige“ Fotos macht. Und ich deshalb festhielt, was mein Vater auch, und vielleicht vor allem, war: ein Mensch, der oft sich selbst genug war.

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