#726

Ein Mann steigt am Abend am Bahnhof Hagenow Land in den Fernzug nach Berlin ein. Er macht es sich unmittelbar gemütlich. Zieht seine Schuhe aus, legt die Füße auf den gegenüberliegenden Sitz, klappt das iPad auf, stellt es auf den Tisch, stöpselt drahtlose Kopfhörer ein, wählt einen Film, startet ihn, zieht nach zwei Minuten ein iPhone aus der Hosentasche, scrollt, legt das Handy auf den Tisch, nimmt einen Nussriegel aus einer Tasche, öffnet die Verpackung, nimmt das Handy in die eine Hand, scrollt, nimmt den Riegel mit der anderen Hand, beißt ab, scrollt, schaut auf den Bildschirm des Tablets, scrollt auf dem iPhone, beißt wieder ab, noch einmal, noch einmal, noch einmal, legt das Papier vom aufgegessenen Nussriegel neben das iPad auf den Tisch, schaut auf den Bildschirm, schaut aufs Handy, schaut auf sein weißes Hemd und sein blaues Jacket, wischt mit der freien Hand Krümel von beiden, greift mit beiden Händen das Handy, tippt, hält inne, tippt, wischt zur Seite, scrollt, scrollt, schaut auf den iPad-Bildschirm, schaut aufs Handy, scrollt, scrollt, scrollt. – Keine zehn Minuten sind seit dem Halt in Hagenow Land vergangen. Das Display im Großraumwagen zeigt die Reisegeschwindigkeit: 225 Kilometer pro Stunde. Nächster Halt: Wittenberge. Der Mann trinkt jetzt eine Cola Zero. Und scrollt. Und tippt. Und scrollt. Würde er in diesem Augenblick auf seinen iPad-Bildschirm schauen, sähe er eine Frau durch ein Maisfeld um ihr Leben rennen.  

Published by